Abschied vom Abstieg Nach dem Sieg über Gönnern ist Werder der Klassenerhalt kaum noch zu nehmen

BREMEN. Es sollte ein Weilchen dauern, bis sich Trainer Cristian Tamas von diesem Krimi erholt hatte. Ohne die Nummer eins, den verletzten Seiya Kishikawa, beim TTV Gönnern angetreten, triumphierte Werder Bremen beim Schlusslicht der Deutschen Tischtennis-Liga mit 3:1. Der Held der Gäste hieß Lars Hielscher - und der sorgte nicht nur für den Sieg, sondern auch für die Vorentscheidung im Abstiegskampf. Die gestrige Nummer eins der Bremer steuerte zwei Punkte zum Gesamterfolg bei.

Nicht nur das: Der 29-Jährige wehrte im fünften Satz gegen den Taiwanesen Hung-Chieh Chiang beim 6:10 vier Matchbälle ab und gewann mit 12:10. "Heute hat Lars gezeigt, warum er ein so guter Spieler ist", lobte Tamas den Matchwinner: "Er gibt einfach nie auf." Dabei hatte der Bremer bei 1:0-Führung im zweiten Durchgang noch zwei Satzbälle vergeben - eine Situation, in der mancher Akteur einbricht. Doch Hielscher behielt nach verlorenem dritten Durchgang die Nerven und machte sein Meisterstück. "Ein großer Tag für Lars", strahlte Werders Coach.

Aber es war auch ein großer Tag für den Klub. "Heute haben wir den Klassenerhalt geschafft, jetzt können wir uns nach oben orientieren und neue Ziele setzen", resümierte Cristian Tamas. Mal sehen, was beim deutschen Pokal-Final-Four in Hannover alles geht. Die Endrunde findet am 27. Dezember statt. In der Liga ist den Bremern der Klassenerhalt nur noch theoretisch zu nehmen. Sie sind zwar weiterhin nur Vorletzter vor Gönnern, doch die Hessen haben mittlerweile sechs Punkte Rückstand. Obwohl noch acht Spieltage ausstehen, ist mit einer erfolgreichen Aufholjagd des in dieser Saison erst einmal - nämlich in Bremen - siegreichen TTV nicht zu rechnen.

In Gönnern war Hielscher wohl der entscheidende Mann, bei weitem aber nicht allein. Constantin Cioti brachte im Eröffnungseinzel Chiang, der am vergangenen Freitag noch das Pro-Tour-Finale der U 21 in Macao für sich entschieden hatte, an den Rand einer Niederlage. 8:7 führte der Rumäne im fünften Satz, ehe der Taiwanese das Blatt doch noch wendete. Nach Hielschers zwischenzeitlichem Ausgleich mit einem souveränen 3:0 gegen Ruwen Filus brachte Trinko Keen die Hansestädter auf die Siegerstraße. "Kein überragendes Spiel von ihm, aber er hat sich buchstäblich durchgekämpft", bilanzierte Cristian Tamas. Der Niederländer hatte gegen Gavlas im dritten Durchgang drei Satzbälle vergeben - und trotzdem die Ruhe bewahrt. Hochkonzentriert fand er in die Partie zurück und schrieb das gelungene vorletzte Kapitel eines dreistündigen Werder-Krimis.

Von Jörg Niemeyer, Weser-Kurier